Loslassen und vergeben nach dem Schmerz der Trennung

Viabilia: Wie lange hat diese Zeit der Traurigkeit und des Trennungsschmerzes gedauert?

Katharina P.: Hmm, ich weiß gar nicht, ob die schon ganz vorbei ist; tief in mir ist ein Stück dieser Traurigkeit immer noch. Aber besser geworden ist es damals nach eineinhalb Jahren.

Ich habe eine eineinhalb-monatige Reha-Maßnahme gemacht, die mich einen großen Schritt weitergebracht hat. Da habe ich noch einmal mit dem Abstand zu damals manche Dinge angeschaut, die ich in der akuten Phase nicht hätte aufarbeiten und loslassen können.

Vor der Reha hätte ich gar nicht über die Trennung sprechen können, ohne die ganze Zeit zu heulen. Das ist ein gutes Zeichen, dass es jetzt besser ist, dass ich das kann.

Am Freitag ist es mir aufgefallen: da hätten wir eigentlich unseren 20. Jahrestag gehabt und es war nicht das Erste war, woran ich an diesem Tag dachte. Als nächstes der Gedanke: ja, das war halt so, ohne dass ich jetzt total traurig oder von der Rolle gewesen wäre. Die ersten beiden Jahre hatte ich an diesem Tag besonders gelitten.

Blüten, die aufbrechen, als Symbol für Aufbruch und Neuanfang

Und es kam der Tag,
da das Risiko,
in der Knospe zu verharren,
schmerzlicher wurde
als das Risiko,
zu blühen.

Anaïs Nin

Welche Bedeutung hat das Thema “Vergeben” in dem Zusammenhang für Dich? Kannst Du ihm das vergeben?

Ich bin dabei. Ich glaube, ich habe schon angefangen damit. Das war auch ein Wunsch, der sich relativ schnell eingestellt hat, wo ich das Gefühl hatte, das ist wichtig, damit ich mein Herz nicht für immer vergifte.

Viabilia: Woran erkennst Du, dass Du ihm vergeben hast?

Katharina P.: Hmm, eine interessante Frage. Ich stelle fest, dass der Prozess des Vergebens fast abgeschlossen ist.

Ich kann mittlerweile verstehen, warum er so gehandelt hat. Ich heiße es nicht gut und finde es nicht richtig und hoffe, dass ich selbst niemals so einen Sch… mache. Aber er konnte wahrscheinlich nicht anders. Ich merke, dass es mir mehr Frieden gibt, wenn ich nicht mehr so vernarbt bin und so voller Wut. Das hat viel mit meinem eigenen, inneren Frieden zu tun, und mit dem Loslassen. Ich habe jetzt ein ganzes Stück loslassen können.

Ich glaube, deshalb konnte ich ihm vergeben. Und nun fühlen sich die Sachen anders an.

Ich habe den Therapeuten in der Reha-Klinik irgendwann gefragt, als es ganz heftig bei mir gerappelt hat: Wann weiß ich, dass es vorbei ist? Und er antwortete: “Sie werden es wissen, weil Sie es so fühlen werden.”

Ich kann mir jetzt bestimmte Dinge angucken, ob es nun Fotos sind oder Ereignisse in meiner Erinnerung, ohne dass es schmerzt.

Mein Ex-Partner ist ein Teil meines Lebens gewesen. Er gehörte 17 Jahre lang zu mir. 17 Jahre sind eine sehr lange Zeit gewesen. Diese Zeit hat ihren Platz. Das ist wichtig und gut so, weil ich sonst 17 Jahre meines Lebens verleugnen würde.

Viabilia: Welchen Platz hat Dein ehemaliger Lebensgefährte jetzt bei Dir?

Katharina P.: Er ist eine Person aus der Vergangenheit. Eine wichtige Person, die aber nur mit der Vergangenheit zu tun hat, nichts Aktuelles mehr.

Er ist mir jetzt nicht mehr jeden Tag präsent. Es gibt durchaus Tage und Zeiten, da denke ich gar nicht mehr an das Geschehene. Und auch nicht mehr ausschließlich in dem Kontext “oh, ich wurde verlassen”, “oh, das war alles ganz furchtbar und schrecklich”.

Ich glaube nicht, dass die Wunde schon zu ist, das dauert noch etwas. Aber ich merke, dass es gut dabei ist zu heilen, da ich manchmal Sachen von ihm erzähle, die gar nichts mit der Trennung zu tun haben: Alltägliches, etwas Witziges … aber auch nicht glorifizierend.

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