Projektionen als falscher Spiegel unserer selbst

Wir sind täglichen Projektionen ausgesetzt

Projektor, gezeichnet, als Symbol für Projektion

Projektion ist stets das, was mit einem selbst oder mit dem Gegenüber nichts zu tun hat. So kann es beispielsweise sein, dass wir uns in der Arbeit über unseren Vorgesetzten ärgern. Und weil wir uns unserem Vorgesetzten gegenüber unseren Ärger nicht zu äußern wagen, stülpen wir diese Wut zum Beispiel unserem Lebensgefährten oder unseren Kindern über. Das ist Projektion.

Projektion kann sich ebenso in positiven Gefühlen anderen gegenüber äußern: Zum Beispiel wenn wir verliebt sind. Wir projizieren positive Eigenschaften, denen wir vielleicht in der aktuellen Lebenssituation besonders bedürfen, auf den Menschen, in den wir verliebt sind. Im Laufe der Zeit und des näheren Kennenlernens merken wir, dass manche dieser positiven Eigenschaften im geliebten Menschen vielleicht nicht in der Form beständig vorhanden sind, wie wir es gerne hätten. Schritt für Schritt ent-lieben wir uns. Das ist der Zeitpunkt, von dem die Psychologen sprechen, dass hier nun die Liebe einsetzen kann.

Spiegel mit Spruch

Geht überhaupt ein Leben ohne Projektion? Ich weiß es nicht. Andere Menschen rufen in uns Gefühle hervor. Diese Gefühle heißen wir willkommen oder wir reagieren mit Abwehr. Zum Beispiel, wenn wir Komplimente erhalten oder wenn (scheinbar) wir es sind, die in unserem Gegenüber Wut erzeugen.

Was führt zur Projektion?

Bedeutet ein Leben ohne Projektion ein Leben in Liebe? Was führt überhaupt zur Projektion? Wenn wir ganz bei uns sind, dann brauchen wir keine Projektion, und wir reagieren angemessen auf die Projektion anderer – wir nehmen diese nicht an, müssen unser Wesen demzufolge auch nicht vehement verteidigen.

Im Buddhismus würde man vielleicht von der Nicht-Anhaftung des Ich sprechen. Denn im Buddhismus ist das „Ich“ das, welches das Leid verursacht. Leid in dem Sinne einer negativen Projektion. Im Buddhismus – siehe Schaubild Buddhismus – wird der Schwerpunkt auf das Leiden der Menschen gelegt.

Das Glück und die Freude, die andere Menschen einem schenken können, tritt eher in den Hintergrund. Bedeutet es, dass wir uns auch weniger freuen können und wir auch weniger glücklich sein können, wenn wir unserem Ich nicht anhaften? Freude und Glück sind uns ja herzlich willkommen. Doch um welche Freude und welches Glück geht es hier? Und: Bedeutet die Abkehr vom Leid zugleich die Abkehr von Glückgefühlen, und damit ein gleichgültiges Leben?

Glück im Äußeren vs. Glück im Inneren finden

Gibt es Unterschiede im Glücksempfinden? Gibt es so etwas wie ein gerechtfertigtes Glück, und ein “inadäquates“ Glück? Was wir vielleicht feststellen können ist, dass Glück, was im Äußeren hervorgerufen wird, sich leicht verflüchtigt. Zum Beispiel: wenn wir uns eine ansprechend gestaltete Zeitschrift kaufen oder einen anderen Gegenstand unserer Freude, so kennen wir sicherlich vor dem Kauf das starke Bedürfnis, diesen Gegenstand erwerben zu wollen. Nach dem Kauf ist dieses Glück schnell verrauscht. Kaum haben wir die neue Zeitschrift in der Hand, stecken wir sie in unsere Tragetasche – und schon ist das Glücksempfinden vorbei. Vielleicht blättern wir zu Hause die Zeitschrift ein bisschen durch, doch manchmal kommt es gar nicht so weit, und sie landet ungelesen auf dem Zeitschriftenstapel.

Doch wie schaut dieses andere, innere Glück aus? Wir sprechen viel vom Glück und vom Glücklichsein. Welchen Stellenwert hat die Zufriedenheit? Ist Zufriedenheit nicht einem vorübergehenden Glück vorzuziehen?

Abschaffung der Projektion über Nicht-Anhaftung an das Ich

Genau an diesem Punkt trifft sich die Fragestellung der Projektion mit dem Buddhismus. Kann man diesen Zustand der Nicht-Anhaftung an das eigene Ich nur über Meditation erreichen? Kann man Projektion nur über Meditation überwinden? Zumindest scheint es als ein mögliches geeignetes Mittel.

Warum fällt es so schwer, uns von einem „Ich“ zu lösen, das uns leiden lässt? Viele Themen greifen ineinander. In unserer westlichen Marktwirtschaft wird viel Wert auf das Kaufen gelegt. Die Werbung vermittelt uns das Glück im Äußeren. Es kommt nicht darauf an, bei sich selbst anzukommen. Wo kämen wir hin, wenn wir uns alle nur unseren inneren Werten zuwenden würden? Wenn wir ganz bei uns wären, und wenige Bedürfnisse hätten? Es würde viel weniger gekauft werden. Das wäre unserer Wirtschaft abträglich.

Und doch: unsere Demokratie zeichnet sich dadurch aus, dass wir frei sind, unsere eigene Richtung einzuschlagen. So sind wir frei darin, uns Themen wie Meditation zu öffnen.

Doch kommen wir zur Projektion zurück. Die Projektion abzuschaffen – unsere eigene und unsere Reaktion auf die Projektion anderer auf uns -, wäre ein sinnvolles Unterfangen. Ist wirklich der buddhistische Weg der einzige Weg? Also der Weg über die Meditation.

Bewusstwerdung und Achtsamkeit

Im Prinzip geht um Bewusstwerdung. Bewusstwerdung unserer selbst. Und genau hier treffen wir auf den Faktor Achtsamkeit. Achtsamkeit im Hier und Jetzt. Achtsamkeit bringt uns dazu, das Naheliegende wahrzunehmen. Die Bewertungsmechanismen im Kopf sind bei einer achtsamen, gegenwärtigen Wahrnehmung weitgehend ausgeschaltet. Wir leben, was im Augenblick ist. Das kann ein weiterer Schlüssel zur Übung für uns sein.

Die Übung der Achtsamkeit ist zum Beispiel in der Praxis des Zen, des Zazen, ein wesentlicher Bestandteil neben der Meditation.

So schließt sich der Kreis, alles ergibt einen Sinn. Wenn wir uns im achtsamen Gegenwärtigsein üben, und uns nicht vorwiegend äußeren Zerstreuungen ausliefern, dann entsteht ein Bewusstsein unserer selbst.

Und doch wird es viele unterschiedliche Wege zu diesem Bewusstsein geben. Zum Beispiel in der Liebe zur Natur, über sportliche Betätigungen oder andere Interessen, in denen wir uns eins mit uns und dem Leben fühlen.

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