Interview von Betina Graf-Deveci mit Katharina P. (Name von der Redaktion geändert)

Trennung nach 17 Jahren – von jetzt auf gleich

Trennungsschmerz bewältigen: eine Trennung nach 17 Jahren bereitet besonderen Trennungsschmerz

Eine Trennung doppelt schwer: unvorbereitet nach 17 Jahren

Katharina P. hat vor dreieinhalb Jahren eine Trennung der besonderen Art hinter sich und kann jetzt – zweieinhalb Jahre später – darüber reden: nach 17 Jahren verließ sie ihr Ex-Lebensgefährte “von jetzt auf gleich” und überbrachte ihr diese Botschaft per Zettel auf dem Wohnzimmertisch.

Katharina erzählt im folgenden Interview, wie sie mit dieser Art der Trennung umgegangen ist und wie schließlich ihr Trennungsschmerz heilen konnte.

Viabilia: Liebe Katarina, Dir ist ja in Deinem Leben etwas für Dich Einmaliges und sehr Schmerzhaftes passiert: Du bist von Deinem langjährigen Lebensgefährten von einem Tag auf den anderen verlassen worden. Wann war das und wie verlief diese “Trennung von jetzt auf gleich” genau?

Katharina P.: Das war im Juli 2010. Ich hatte eine Woche alleine Urlaub gemacht. Der Plan war, dass wir danach am Folgewochenende gemeinsam in den Urlaub fahren wollten. Ich kam nach Hause und er war nicht da, was schon ungewöhnlich war, da er ja wusste, dass ich aus dem Urlaub zurückkommen würde.

Ich will mit Dir nicht mehr leben
und bin ausgezogen.

Im Wohnzimmer lag ein Zettel auf dem Tisch, auf dem er mir mitteilte, dass er mit mir nicht mehr leben will und er ausgezogen ist.

Das traf mich völlig unvorbereitet, ich geriet in einen Schockzustand.

Einen Tag vorher noch, als ich mit ihm telefonierte, bekam ich während des Telefonats plötzlich ein schlechtes Gefühl. Vielleicht war da eine Ahnung, aber mit einer Trennung rechnete ich überhaupt nicht. Er warnte mich in keiner Weise vor, was die Trennung betraf.

Viabilia: Wie ging es dann weiter? Was geschah am selben Abend?

Katharina P.: Ich war ja zunächst allein in meiner Wohnung. In meinem Schockzustand habe ich sofort eine meiner besten Freundinnen angerufen und sie gebeten, zu mir zu kommen. Dann rief ich meine Mutter an.

Als meine Freundin da war, habe ich wie im Wahn alle meine Freundinnen und Verwandten angerufen und erzählt, was passiert ist. Ich habe den ganzen Abend telefoniert. Zwei weitere Freundinnen kamen bei mir vorbei. Wir saßen in der heißen Dachgeschosswohnung und ich hatte das Gefühl, ich drehe ab. Es war alles klar und trotzdem unwirklich. Ein merkwürdiges Gefühl, was ich bislang nicht kannte.

Spät in der Nacht haben sie mich zu meiner Mutter nach Hause gefahren.

Viabilia: Was passierte dann die Folgetage? Hat dieser Schockzustand aufgehört oder ist dieser noch geblieben?

Katharina P.: Was geblieben ist, war die totale Klarheit: so habe ich zunächst an praktische Dinge gedacht. Ich bin am Folgetag zum Geldautomaten und habe die Hälfte des Geldes von unserem gemeinsamen Konto abgehoben – eine Freundin von mir hatte darauf gedrungen -, man weiß ja nie.

Als ich am nächsten Tag wieder in meiner Wohnung war, habe ich mit meinem früheren Lebensgefährten telefoniert. Er hatte in seinem Brief geschrieben, er würde “in den nächsten Wochen vorbeikommen, um seine Sachen zu holen”. Da habe ich ihm direkt gesagt, dass er die nächste Woche vorbeikommen und alles abholen soll.

Diese totale Klarheit in den ersten Tagen muss vielleicht noch der Schock gewesen sein, wo ich in den praktischen Angelegenheiten, also kopfmäßig, vollkommen gut funktionierte. Ich habe viel geweint, aber auch viel einfach so abgearbeitet, was als Nächstes passieren musste.

Für mich war klar: das muss einen eindeutigen Schnitt haben, sonst halte ich das gar nicht aus. Mir war klar: es ist aus, die Liebesbeziehung ist ganz vorbei.

Viabilia: Wie lief daraufhin die räumliche Trennung ab?

Katharina P.: Als er am darauffolgenden Wochenende kam, um seine Sachen abzuholen, verbrachte ich diese Zeit bei meiner Mutter. Ich wollte mir es nicht zumuten zuzusehen, wie er auszieht. Die praktische Einigung über die Gegenstände war leicht. Da bin ich ganz Bürokratin: Ich habe eine Liste geschrieben, was er bekommt und was ich bekomme und mir das unterschreiben lassen. Ich war mir sicher, dass er mich nicht übers Ohr hauen will.

Ich habe jetzt nicht gedacht, wenn ich aus der Wohnung weggehe und ich komme wieder, dass dann die ganze Wohnung leergeräumt ist. Da war ich sicher.

Ursprünglich hatten wir abgemacht, dass ich Montag morgens noch einmal zurückkomme und er mir den Schlüssel zurückgibt. Sonntags habe ich ihn aber angerufen und ihm gesagt, dass er den Schlüssel einfach in der Wohnung liegen lassen soll.

Als ich am Tag nach seinem Auszug in die Wohnung zurückgekommen bin, hatte ich das Gefühl, dass mir das den Atem nimmt: das war richtig schwer, die halbleere Wohnung und die teilweise geleerten Schränke zu sehen. Da war ich heilfroh, dass er Kleinigkeiten vergessen hatte. Wir waren 17 Jahre zusammen gewesen und nun war mit einem Wimpernschlag alles vorbei. Ich hatte das Gefühl, es ist alles unwirklich.

Draußen waren 30 Grad, das schönste Sommerwetter, es kam mir alles sehr merkwürdig vor, wie in einem anderen Film.

Die ersten Monate waren geprägt von dieser Mischung aus Schock, ein Hauch von “es nicht glauben können” und jede Menge Wut.

comments powered by Disqus

Mein Viabilia

Merkliste und Themen-Abonnement

0 gemerkte Zitate und Grußkarten

0 gemerkte Artikel

? abonnierte Themen

So funktioniert Ihre Merkliste

Viabilia-Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden über neue Seiten, Bild- und Grußkarten und Funktionen. Interessiert?

Meine Bitte an Sie:

Bitte tragen Sie Ihren Namen und Ihren Vornamen ein. Ich möchte Sie gerne persönlich ansprechen dürfen, da dieser Newsletter – wie ein Brief – von mir persönlich und von Herzen geschrieben wird.

Deshalb schreibe ich nicht an Frau asdf oder Herrn jljls oder an leere Namen.

Unser Versprechen:

Ihre E-Mail wird bei uns absolut vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben!

Mit herzlichen Grüßen
von Betina Graf-Deveci

Schlagworte zu dieser Seite

© 2012-2017   Viabilia - Copyright